Ihr Sohn versteht Zusammenhänge schneller als seine Mitschüler. Im Test steht trotzdem eine Vier. Die Lehrerin sagt, er könnte, wenn er nur wollte. Zu Hause sagen Sie es auch, mit weniger Geduld als früher. Und er zuckt mit den Schultern. Wenn Ihnen diese Szene bekannt vorkommt, lohnt sich ein genauerer Blick.
Was Underachievement bedeutet
Der Fachbegriff lautet Underachievement, zu Deutsch erwartungswidrige Minderleistung. Die Karg-Stiftung, die sich seit Jahrzehnten mit Begabtenförderung beschäftigt, bezeichnet damit Schülerinnen und Schüler, die über einen längeren Zeitraum trotz sehr hohen Leistungspotenzials und überdurchschnittlicher Intelligenz nur mäßige oder schlechte Schulleistungen zeigen.
Laut der Würzburger Psychologin Dr. Catharina Tibken betrifft das etwa zehn bis zwölf Prozent aller hochbegabten Kinder. Hochbegabung beschreibt die Möglichkeit zu außergewöhnlicher Leistung und garantiert sie nicht. Als hochbegabt gilt, wer einen Intelligenzquotienten von mindestens 130 hat, das sind rund zwei Prozent der Bevölkerung.
Was dahinterstecken kann
Die Ursachen sind komplex und werden noch erforscht. Eine Studie der Universität Würzburg, erschienen in der Fachzeitschrift Child Development, untersuchte hochbegabte Jugendliche, die in der Schule gute Leistungen zeigten, und solche, die darunter blieben. Dabei zeigte sich: Sowohl das Wissen über Lernstrategien als auch die Motivation, dieses Wissen einzusetzen, hängen mit dem Schulerfolg zusammen. Die hochbegabten Underachiever behielten ihr Lernen seltener im Blick und hatten größere Schwierigkeiten einzuschätzen, ob sie einen Text wirklich verstanden hatten.
Eine mögliche Erklärung: Wem lange alles zugeflogen ist, der hat nie gelernt, wie man lernt. Wenn der Stoff dann schwieriger wird, fehlt das Handwerkszeug. Die Karg-Stiftung nennt außerdem fehlende Lernstrategien, die Lernumgebung und die Motivation als mögliche Einflussfaktoren. Manche hochbegabte Kinder haben zusätzlich eine weitere Besonderheit, zum Beispiel einen ADHS-Verdacht. Fachleute sprechen dann von doppelter Außergewöhnlichkeit, englisch Twice Exceptional.
Selbsteinschätzung üben
Ein Punkt aus der Forschung lässt sich im Alltag gut aufgreifen: die Frage, ob ich etwas wirklich verstanden habe. Kinder und Jugendliche können das üben, indem sie ihr Wissen regelmäßig überprüfen. Wer nach einem Lernvideo ein paar Aufgaben löst und sofort sieht, welche stimmen, bekommt eine ehrliche Rückmeldung zum eigenen Stand. Bei sofatutor gehören zu den Lernvideos Übungen und Arbeitsblätter, mit denen sich genau das trainieren lässt. Das ersetzt keine Beratung und kein Lerncoaching, bietet aber im Alltag eine einfache Möglichkeit, Selbstkontrolle zu üben.
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sofatutor jetzt kostenlos testenWas Eltern tun können
- Anstrengung loben. Sagen Sie, dass jemand drangeblieben ist, und halten Sie sich mit Aussagen zur Klugheit zurück. So lernt Ihr Kind, dass Mühe zum Lernen gehört.
- Lernstrategien einüben. Sich selbst abfragen, das Lernen auf mehrere Tage verteilen, Lernpläne erstellen. Vieles davon lässt sich gemeinsam ausprobieren.
- Mit der Schule sprechen. Die Psychologin Nicole von der Linden rät Eltern, im Gespräch mit der Lehrkraft zu beschreiben, wie es dem Kind geht, keine Forderungen zu stellen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.
- Beratung nutzen. Spezialisierte Beratungsstellen können Begabung und Lernschwierigkeiten gemeinsam einordnen. Die Karg-Stiftung bietet auf ihren Seiten eine regionale Suche an.
- Auf Warnzeichen achten. Rückzug, Frust und sinkendes Selbstwertgefühl gehören zu den Folgen, die über schlechte Noten hinausgehen. Wenn Sie diese beobachten, sprechen Sie mit der Kinderarztpraxis.
Fazit
Hohe Begabung ist ein Startvorteil, aber noch kein Schulerfolg. Wenn sie mit fehlenden Lernstrategien und sinkender Motivation zusammentrifft, brauchen Kinder Unterstützung, und zwar früh. Die gute Nachricht aus der Forschung: Lernstrategien lassen sich üben.
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