Ihr Sohn ist 14 und sitzt um halb sieben noch am Schreibtisch. Eine Stunde später sind die Mathehausaufgaben erledigt, fehlerfrei und sauber aufgeschrieben. Auf die Nachfrage, wie das so schnell ging, kommt ein Schulterzucken: „Hab ich mir von ChatGPT erklären lassen.“

Viele Eltern kennen diesen Moment. Ein Teil von ihnen ist erleichtert, weil die Aufgaben fertig sind. Ein anderer Teil fragt sich, ob das Kind gerade etwas lernt oder nur etwas abgibt. Beide Reaktionen sind nachvollziehbar, und die Forschung der letzten Jahre gibt darauf eine Antwort, die weder nach Verbot noch nach Freibrief klingt.

Was ein Experiment mit fast 1.000 Jugendlichen gezeigt hat

Eine der bekanntesten Untersuchungen stammt von einem Team um Hamsa und Osbert Bastani. Sie ist 2025 in der Fachzeitschrift PNAS erschienen. An einer Schule in der Türkei übten knapp 1.000 Schülerinnen und Schüler Mathematik in Übungseinheiten, die rund 15 Prozent des Lehrplans abdeckten. Eine Gruppe nutzte eine Version, die wie das normale ChatGPT funktionierte. Eine zweite Gruppe bekam einen Tutor, der so eingestellt war, dass er Hinweise gab und keine fertigen Lösungen. Die dritte Gruppe übte ganz ohne KI.

Beim Üben waren die Ergebnisse in beiden KI-Gruppen deutlich besser. Mit dem normalen ChatGPT lag die Leistung bei den Übungsaufgaben um 48 Prozent höher, mit dem Tutor sogar um 127 Prozent. Dann wurde die KI weggenommen und alle schrieben einen Test. Die Gruppe mit dem normalen ChatGPT schnitt dabei rund 17 Prozent schlechter ab als die Gruppe, die nie KI hatte. Bei den Schülern mit dem Tutor, der nur Hinweise gab, blieb dieser Nachteil aus. Einen Lernvorteil gegenüber der Gruppe ohne KI hatten sie im Test aber auch nicht. Außerdem schätzten die Schüler ihren Lernerfolg tendenziell zu optimistisch ein.

Die Forschenden deuten das so, dass viele Jugendliche die Standard-Version als Krücke nutzten und dadurch beim eigenen Lösen weniger lernten.

Einschränkend gilt: Es war eine Schule, ein Fach und ein begrenzter Zeitraum. Ob sich das genauso auf deutsche Klassenzimmer und andere Fächer übertragen lässt, ist offen.

Was der OECD-Bericht 2026 dazu sagt

Im Januar 2026 hat die OECD ihren Digital Education Outlook veröffentlicht, in dem sie die internationale Studienlage zu generativer KI in der Bildung zusammenfasst. Die Kernaussage: Allgemeine KI-Werkzeuge verbessern häufig die Leistung bei einer Aufgabe, führen aber nicht automatisch zu mehr Gelerntem. Lernerfolge stellen sich vor allem dann ein, wenn die KI mit einem klaren pädagogischen Ziel eingesetzt wird, etwa wenn sie Fragen stellt oder Rückmeldungen gibt, statt Antworten zu liefern. Die OECD weist außerdem darauf hin, dass allgemeine KI-Werkzeuge nicht speziell für das Lernen gebaut sind.

Was das für den Alltag zu Hause bedeutet

Die Studien sprechen nicht gegen jede Nutzung von KI. Sie legen aber nahe, auf die Art der Nutzung zu achten. Eine feste Checkliste liefern sie nicht. Als Orientierung im Alltag können Fragen wie diese dienen:

  • Hat Ihr Kind die Aufgabe zuerst selbst versucht, bevor es nachgefragt hat?
  • Hat es nach einem Hinweis gefragt oder direkt nach dem Ergebnis?
  • Kann es den Lösungsweg anschließend in eigenen Worten erklären?
  • Gelingt eine ähnliche Aufgabe am nächsten Tag ohne Hilfe?

Die letzte Frage lässt sich mit wenig Aufwand prüfen. Legen Sie am Folgetag eine verwandte Aufgabe vor und lassen Sie Ihr Kind ohne Hilfsmittel rechnen. So sehen Sie ziemlich schnell, ob etwas hängen geblieben ist. In der Klassenarbeit stehen schließlich auch keine Hilfsmittel zur Verfügung.

Lernmaterial, bei dem das Kind selbst antworten muss

Wenn Ihr Kind beim Verstehen Hilfe braucht, muss das nicht über einen Chatbot laufen. Bei sofatutor werden Themen in Lernvideos erklärt, die sich am Lehrplan der jeweiligen Klassenstufe orientieren. Zu den Videos gibt es Übungen und Arbeitsblätter, bei denen Ihr Kind selbst antwortet und danach eine Rückmeldung bekommt. Das ist ein anderer Weg als der Chatbot, und er setzt an dem Punkt an, den die Studien als Knackpunkt beschreiben: Das Kind soll selbst am Denken beteiligt bleiben. Ob das im Alltag gelingt, hängt auch davon ab, wie die Übungen genutzt werden.

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Fazit

Die OECD beschreibt, dass KI im Schulalltag bereits breit genutzt wird. Hilfreicher als ein pauschales Ja oder Nein ist deshalb ein gemeinsamer Blick darauf, wofür das Kind sie nutzt. Nach der bisherigen Studienlage kann KI das Lernen unterstützen, wenn sie erklärt und Hinweise gibt. Wenn das Kind Lösungen einfach übernimmt, spricht die Studienlage eher dagegen, dass dabei viel hängen bleibt.

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Quellen: Bastani, H. et al. (2025): Generative AI without guardrails can harm learning: Evidence from high school mathematics. Proceedings of the National Academy of Sciences, 122(26). DOI 10.1073/pnas.2422633122 · OECD (2026): OECD Digital Education Outlook 2026, Exploring Effective Uses of Generative AI in Education. oecd.org